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Wenn wir in meiner Kindheit zuhause Gäste hatten, saß ich still dabei und lauschte. Ich war fasziniert von Gesprächen der Erwachsenen und davon, wie sie dachten, ihre Meinungen und ihr Verständnis der Dinge äußerten, sich erklärten und Konflikte beschrieben und lösten – oder auch nicht. Kurzum: Ich war schon immer fasziniert davon, wie Menschen funktionieren.

Daher machte ich seither mit unbändiger Neugier auch fast jeden Selbsteinschätzungstest in Zeitschriften, die ich in die Finger bekam – von Bravo über Brigitte bis BrandEins. Und ich hatte einen Heidenspaß dabei! Ihre Ergebnissen amüsierten mich. Sie inspirierten mich für die Suche nach dem Fünkchen Wahrheit, setzten einen Denkprozess über meine Meisterstärken und Macken in Gang, fragten nach Mustern und motivierten mich, an mir zu arbeiten.

Aber eines ist dabei nie passiert: Dass ich mich in den Ergebnissen treffend abgebildet fühlte. Nun hab ich nicht erwartet, dass schneller Küchenpsychologie-Spaß mir die tiefgreifendere Wahrheit über mich selbst präsentiert. Schon klar. Aber die Neugierde wollte ja trotzdem gestillt werden. Also machte ich weiter.

Von Eulen und Delfinen, Haien und Walen

So kam z.B. beim Persönlichkeitstest von Tobias Beck heraus, dass ich zu gleichen Teilen die sehr gegensätzlichen Typen Eule und Delfin in mir trage. Na, mal sehen: „Die Eule ist eher ruhig, aufrichtig, bescheiden und praktisch, kämpft allerdings oft gegen ihre eigenen oft überzogenen Ansprüche an Qualität.“ Hm, nun, da wollen wir der Aufrichtigkeit mal ihren Auftritt geben: Ohja, ein bisschen ertappt fühl ich mich da schon. „Sie sieht kaum fern und wenn, dann nur sehr gewählt.“  Haha, wie großartig. Jap,das bin ich!

Und dann der Delfin auf der anderen Seite: „Er liebt Konkurrenz und Aufgaben, in denen er sich beweisen kann. Er steht immer in der ersten Reihe, liebt es, mehrere Spiele gleichzeitig zu spielen und überall ein Feuerchen anzuzünden.“  What? Das muss ein Irrtum sein. Aber das Beste: „Der Umgang mit Eulen ist für ihn eher schwierig.“  Ich muss laut auflachen.

.Am Büffett der Reaktionen

Da hab ichs als Eulen-Delfin-Mix nun schwarz auf weiß: Ich bin also schwierig! Naja, zumindest könnte das meine innere Verhandlung erklären, wenn ich das Gefühl hab, meine Reaktionen liegen oft wie ein köstliches Buffet vor mir und ich kann mich nach Belieben auf sie stürzen – oder werde innerlich in mehrere Richtungen gezogen.

Oder vielleicht kommt hier einfach nur meine Neigung zum Vorschein, gut und zügig nachzudenken, bevor ich mich für das entscheide, was mir situativ am passendsten erscheint? Und wenn das stimmt – wie ist es dazu gekommen? Fragen über Fragen.

Dann hab ichs noch mit Persönlichkeitstests wie DISG versucht, der die eigenen Schwerpunkte in Sachen Dominanz (D), Introversion (I), Stetigkeit (S) und Gewissenhaftigkeit (G) ermittelt. Und – oha – ich bin genau DISG zu gleichen Teilen. Und zwar seit Ewigkeiten. Mit winzigen Abweichungen. Nicht zu fassen. Denn seien wir ehrlich: Das doch ist so ungefähr das lahmste Ergebnis, das ich hätte bekommen können! Soso. Ich bin also nicht nur schwierig, sondern auch noch langweilig …

Die Union der Gegensätze

Der Myers-Briggs-Typenindikator wartete da schon mit vielschichtigeren Ergebnissen auf. Im ersten Durchlauf war ich ein Architekt – phantasievolle, strategische Denker mit einem Plan für alles. Da find ich mich in Anteilen wieder, denk ich mir, und mache den gleichen Test aus Neugier einige Zeit später nochmal. So ehrlich es geht, versteht sich, ohne zu lange nachzudenken. Huch, diesmal bin ich der gegensätzliche Protagonist: charismatische und inspirierende Initiatoren, die es verstehen, ihre Zuhörer zu fesseln. Ja, manchmal – aber jetzt extrovertiert statt introvertiert? Ich runzle die Stirn.

Denn da bin ich mir sehr sicher: Ich gehöre eindeutig zur Intro-Fraktion dieses Planeten. Ich ziehe Energie aus Stille. Das heißt nicht, dass ich selbst immer besonders still bin. Ich kann sogar ziemlich aufdrehen, wenn ich in meinem Element bin. Aber ich brauche nach dem Bad in der Menge, lauten Partys oder langen Coachingtagen mit vielen Leuten erstmal richtig Ruhe. Am besten schließe man mich in einen Raum ein, gebe mir ein gutes Buch und dunkle Schokolade – und ich bin einen Tag später wie neu!

Aus Freude am Ankreuzen mach ich das Ding ein drittes Mal: Advokat – ruhige, aber sehr inspirierende und unermüdliche Idealisten. Wie nett, das könnte den Eifer erklären, mit dem ich mich manchmal einer Sache verschreibe … Ansonsten wären wir dann im dritten Anlauf wieder bei der Abteilung I für introvertiert. Immerhin eine Schnittmenge innerhalb dieser Ergebnisse. Aber ich fühle mich gleichermaßen belustigt und verwirrt.

Testsprenger oder Unikat?

Denn ich habe da so eine Ahnung: Vielleicht liegen manche Persönlichkeitsanteils so dicht beieinander, dass eine Unze geänderter Antworten ein ganz anderes bis völlig gegensätzliches Bild malt … Da müsste ich mal einen Psychologen befragen.

Oder bin ich etwa der Test-Sprenger? Das klingt ja schon ein wenig nach Hybris, nach eitler Vermessenheit zu denken, man wäre so außergewöhnlich, dass eben kein Test es schafft, einen zu fassen. Aber … was wäre denn, wenn genau das der Fall wäre? Und wenn das nicht nur für mich gilt, sondern für jeden von uns?

Fragen, die weiterbringen

Dafür gibt es mittlerweile ja sogar genügend wissenschaftliche Nachweise: Jeder ist ein Unikat! Keinen einzigen Fingerabdruck gibt es ein zweites Mal. Niemand ist eine Kopie. Es gibt nur Originale. Jeder ist absolut besonders. So ergeben dann auch meine Testergebnisse Sinn … Daher glaube ich an die Einzigartigkeit von Menschen und an wertegeleitete und veränderliche Handlungsmuster.

Und aus diesem Grund arbeite ich in der Abteilung Ressourcen nicht mit Persönlichkeitstest – auch wenn sie wahnsinnig viel Spaß machen können. Ich nutze Stärkenprofile und Wertetestungen. Ich frage lieber danach, warum wir uns verhalten wie wir es tun. Was leitet uns in welcher Situation? Was liegt unter unseren Handlungsmustern – die sich mal so und mal so zeigen können? Und warum? Das hat in meinen Augen einen größeren Mehrwert, als Schablonen für die Persönlichkeit zu nutzen.

Hallo Werte und Stärken!

Unsere Stärken und Werte erläutern und erweitern den eigenen Handlungsspielraum, in dem sich jeder bewegt. Ihnen auf den Grund zu kennen, scheint mir zielführender für die eigene Selbsterkenntnis, satt menschliches Verhalten mit einer Typologie abzukürzen und die Versuchung heraufzubeschwören, sich selbst festzulegen. Das würde nur die persönliche Bewegung und Entwicklung einschränken.

Daher ist mir die CliftonStrenghts-Testung (Strengthfinder) des Gallup-Instituts wirklich sehr sympathisch. Das ist ein wissenschaftlich validiertes Verfahren, das 34 Talentthemen untersucht und sie in einem Ranking mit ausführlichen Erläuterungen und Hinweisen präsentiert: 

 

Neugierig, was meine Top4 sind? Voila, hier kommt ein kurzer Auszug aus der Beschreibung: 

1// Einfühlungsvermögen: „Menschen, bei denen das Talentthema Einfühlungsvermögen stark ausgeprägt ist, können die Gefühle von anderen nachvollziehen und sich in das Leben bzw. in die Lage ihrer Mitmenschen hineinversetzen.“

Das ganze darin schlummernde Paket von Perspektivwechsel, Verständnis, Voraussicht und lösungsorientierter Anteilnahme – ohja, da fühl ich mich sehr zuhause.

2// Entwicklung: „Menschen, bei denen das Talentthema Entwicklung stark ausgeprägt ist, erkennen und entwickeln das Potenzial anderer. Sie haben einen sicheren Blick für jede kleine Verbesserung und ziehen daraus ihre Befriedigung.“

Das bedeutet: Rieche ich ehrliche Veränderungsbereitschaft, Knoten, die ich „ent-wickeln“ darf, lauf ich fröhlich zur Höchstform auf – und feiere die Erfolge anderer, als wären sie meine eigenen.

3// Wissbegier: „Menschen mit einer außergewöhnlich stark ausgeprägten Wissbegier lernen für ihr Leben gerne und möchten sich fortlaufend verbessern. Sie interessieren sich mehr für den Lernprozess als solchen als für das Lernergebnis.“

Das ist DAS Ergebnis für einen Lerncoach, oder? Außerdem fand ich immer: Wer andere unterstützen möchte, sollte sich selbst eine demütige Lernhaltung bewahren. Meine nächste Lebenslektion und Fortbildung laufen bereits.

4. Einzelwahrnehmung: „Menschen mit einer außergewöhnlich stark differenzierter Einzelwahrnehmung sind fasziniert von den einzigartigen Eigenschaften jedes Menschen. Sie haben einen Blick dafür, wie einzelne Personen ihr Verschiedensein in eine konstruktive Zusammenarbeit einbringen können.“

Wooooaah. Das Ding hätte meinem Gefühl nach auch genauso gut Top1 sein können. Ich bin die für alles zwischen den Zeilen. Irgendwer mit hohem EQ, HSP-Tendenzen und lautem Innenleben? I feel you. Deswegen sind individuelle Lösungen und Einzelsettings voll meins – und große Gruppen(prozesse), Masseninteraktion oder digitale Reizwellen nix. Way too much Informationsverarbeitung! 

Für Berufswahl, Krisen und Knockouts

Jetzt kann man fragen: „Ok, das ist ja ganz nett zu lesen, aber wozu braucht man das? Wieso und für wen und wann ist es so wichtig, die eigenen Stärken zu kennen?“ Das sind sehr gute Fragen! Ich bin froh, dass du sie gestellt hast.

Wir brauchen diese Kenntnisse und Einsichten über uns selbst, weil sie uns besser durch
a) wichtige Entscheidungen und
b) schwierige Erlebnisse bringen.

Weil sie helfen können, unnötigen Schmerz, unnötige Unzufriedenheit und unnötige Umwege abzukürzen: Hätte ich schon nach dem Abi gewusst, was ich jetzt über mich weiß, hätte ich mich nie fürs Lehramtsstudium eingeschrieben. Ich dachte halt, ich lern gern (richtig), mag Jugendliche (auch wahr) und krieg das mit dem Unterrichten dann schon irgendwie hin, so dass ich mit dem Job glücklich werde (groooße Selbsttäuschung!).

Denn die Infowelle, die meine ausgeprägte Einzelwahrnehmung produziert, hat mich da im 45-Minuten-Takt regelrecht überrollt – als Coach und Autorin dagegen ist sie mein größtes Kapital. Soll heißen: Alles, was in uns steckt, ist großartig. Aber das richtige Umfeld ist entscheidend, damit unsere Größe zum Tragen kommen kann. Sowohl bei beruflichen Aufgabe als auch im privaten Leben. 

Dasselbe trifft auf Krisen oder K.O.-Zeiten zu: Wenn mir nicht klar ist, wo meine echten Stärken liegen, kann ich sie nicht nutzbringend einsetzen, um die Krise in eine Chance zu verwandeln. Dann habe ich keinen Zugriff auf die weise Lösungskompetenz, die in mir angelegt ist – und ich überwinde nicht, sondern bleibe stecken. Oder komme nur sehr langsam voran. Und wenn ich bereits so müde geworden bin, dass ich keine Kraft mehr habe und nicht mehr weiß, wo oben und unten ist – dann kann das eigene Stärkenprofil zum Selbstwertbooster schlechthin werden. Und das sind doch mal wirklich guten Nachrichten.  

                                                                           ★★★       

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