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Monatsrückblick Mai 2021: Tragik und Poesie

Jun 6, 2021 | Persönliches

Als ich diese Karte von einer Freundin bekam, die gerade dabei ist, ihre fantastische Kartenmanufaktur auf Instagram (@robin.art.manufaktur) aufzubauen, ahnte ich noch nicht, dass ihr Schlagwort zur Metapher für meinen Mai werden würde. Und auch nicht, dass ich tatsächlich nach Ablauf dieses Monats auf meinem gerade erste gestarteten Blog über seine Höhen und Tiefen öffentlich sinnieren würde. Aber das Leben ist eben voll von Überraschungen – glücklicherweise auch von den guten. Daher kommt er nun hier: Mein erster Monatsrückblick.

 

 Diese Themen findest du in diesem Artikel:

 1. Der Höllentrip-Führer

 2. Meine Blog-Bang-Teilnahme

 3. Die unkonventionelle Spülmaschinen-Lösung

 4. Mein Mutanfall zum Verschieben

 5. Das Lachen der Lernenden

 

Der Höllentrip-Führer

Hätte mir vorher jemand gesagt, dass mein Mai 2021 nach einem April im Ausnahmezustand noch mehr von mir verlangt, hätte ich dem Jahr ohne mit der Wimper zu zucken gekündigt. Ich hätte einfach das getan, was ich gut kann, wenn es drauf ankommt: mein eigenes Ding machen. Aussteigen, Tabula Rasa, alles auf Anfang. Aber selbst das hat seine Grenzen. Denn bei aller Gestaltungsmöglichkeit werden wir auch immer von den Umständen begrenzt, die wir nicht beeinflussen können. Und manchmal schlagen sie zu. Und zwar so richtig.

Und immer, wenn das geschieht, habe ich das Gefühl, dass das Leben hinter jeder Ecke auf mich wartet, um mir diese eine uralte Frage zu stellen: „Annette, was tust du, wenn belastende Dinge passieren, die außerhalb deiner Kontrolle liegen? Welche Haltung nimmst du ein? Worauf besinnst du dich? Wie nutzt du deine allerletzte Freiheit – deine Reaktionsfreiheit?“ An dieser Stelle verneige ich mich vor dem Lebenswerk von Viktor E. Frankl und Jesus von Nazareth. Niemand sonst hat mich zum weisen Umgang mit unausweichlichem Leid so inspiriert und geprägt wie diese beiden Helden. (Nur den Link zum Nazarener suche ich noch …)

Gestern Abend kam mir dann beim Beinebaumeln an meiner Lieblingskaimauer die Idee, dass ich einen Reiseführer für Höllentrips schreiben könnte. Mit denen kenne ich mich aus. Dann hätten die unkontrollierbaren Umstände, die mich in regelmäßigen Abständen besuchen, auch einen produktiven Mehrwert für andere. Na, vielleicht lieber nicht. Oder doch? Falls ja, dann müsste ich dabei jedenfalls mein Inneres sehr nach außen kehren. Dann müsste ich konkreter werden. Dann müsste ich genauer entscheiden, was persönlich ist und was privat ist – und was davon in die Öffentlichkeit darf. Oder auch muss. Könnte ich das überhaupt meinen introvertierten Zügen antun? Goodness, me. Das sollte ich mal genauer durchdenken.

Meine Blog-Bang-Teilnahme

Eine entscheidende Erkenntnis zum Ende meines April lautete: Mein Online-Versuch, mich regelmäßig auf Facebook zu tummeln, ohne Facebook je genutzt, verstanden oder vermisst zu haben, ist mit Glanz und Gloria gescheitert. Ja, ich möchte online präsenter sein. Aber nicht so. Ich möchte nachhaltiger sein, als permanent zu posten.

Und dann kam Judith.

Judith „Sympatexter“ Peters mit ihrer Ich-zeig-dir-das-Bloggen-Berufung, die mir mitsamt ihrer unkomplizierten, unverstellten und bisweilen urkomischen Boom-Boom-Blog-Bang-Manier einen anderen Platz im Online-Universum gezeigt hat. Meinen Platz. Seitdem schreibe ich jede Woche zusammen mit vielen anderen like-minded Menschen und habe unerhörten Spaß dabei! Herrlich!

Denn: Ich liebe schreiben. Ich liebe die Selbstreflexion, die dabei passiert, wenn man das Innere in Worte fasst. Schreiben schafft eine wunderbare Klarheit im Kopf, die das Hurrah im Herzen fast unvermeidbar werden lässt. So zeigt mir auch diese erste Monatsrückblick-Aufgabe auf wundersame Weise jetzt, wo ich diese Zeilen tippe, was an meinem Monster-Mai doch auch wirklich schön und gut war. Und welche Details ich beim Nachsinnen vielleicht noch mit einem humorigen Anstrich versehen könnte. Denn am Ende ist die Art und Weise, wie wir selbst die Geschichte unserer Tage, Wochen oder Jahre sehen, verstehen und erzählen, das, was Tragik in Poesie verwandeln kann.

Die unkonventionelle Spülmaschinen-Lösung

So stellte ich in diesem Monat wieder fest, wie unerträglich Banalitäten werden können, wenn man auf den Kern des Lebens zurückgeworfen wird. Dass die Milch einfach ungerührt weiter überkocht, wenn jemand im Krankenhaus um sein Überleben kämpft. Ist das zu fassen? Sie müsste doch vor Schreck erstarren! Oder dass dann das händische Spülen des riesigen Abwaschbergs – in seiner Höhe begünstigt durch die Home-Office-Ära – einfach zu viel verlangt ist. Wirklich.

Da kann ich dann ganz kreative Lösungsideen bekommen wie: „Wenn in diese Wohnung keine Spülmaschine reinpasst, dann müssen wir eben das ganze Haus kaufen, um umbauen zu können.“ Oder: „Ach was, abwaschen! Ab in die Tonne mit dem Drecksgeschirr, es wird einfach was Neues gekauft!“ Als ich den letzten Gedanken vor lauter Frust mit einer famosen Freundin teilte, wartete sie mit einer ganz neuen Idee auf und schickte mir dieses Foto (Danke, Jules! Danke, MadeMyDay.com). Ich sag nur: Wer wollte sich über das miese Mai-Wetter beschweren? Es war die Rettung für meine Nerven! 

 

Mein Mutanfall zum Verschieben

Normalerweise halte ich mich an Termine. Und zwar ganz gerne. Denn die leidenschaftliche Planerin in mir findet die Vorfreude großartig, die festgelegte Ereignisse auslösen. Man hat einfach länger was von diesem schönen Gefühl, das die Gedanken daran auslösen. Und das ging mir bei meinem eigenen mit Herzblut geplanten Selbstwert-Webinar („Komm, wir tauschen Unsicherheit und Schüchternheit gegen Selbstvertrauen“) auch so. Ich hatte es im März erdacht und für Anfang Juni auf meiner Facebook-Seite angekündigt – doch dann schlugen die Monate April und Mai auf und lutschten mit ihren gänzlich ungeplanten Kraftakten meinen Kraftakku leer. Mein erste Reaktion war: „Phh, ich lass mich doch davon nicht aufhalten. Ich kann mich zwingen, ich schaff das!“ Die zweite Reaktion nach kurzem Nachdenken dann: „Ach … lieber doch nicht.“

Meinen Plan umzuwerfen, fiel mir aber gar nicht so leicht. Denn die Verlässlichkeit in meinem Selbstbild bekam Risse. Also schlug ich mich noch kurz mit diesen Selbstbildnagern herum („Oha, findest du, dass eine Absage nach einer konsequenten Annette aussieht?“) und setzte mir dann selbst die liebevolle Herzchenbrille auf, bevor ich ihnen den Mund stopfte („Ey – einmal was abzusagen, macht mich doch nicht zu einem unzuverlässigen Menschen, sondern höchstens zu einem selbstfürsorglicheren!“). Es fühlte sich an wie ein persönlicher Sieg. Und das Webinar? Nun, glücklicherweise hat das Jahr noch ein paar Tage übrig und es findet einfach später statt. Vielleicht wird es dann noch besser. Ha, diesen Gedanken behalte ich glatt! 

 

 

Das Lachen der Lernenden

Apropos besser: Als Lerncoach gibt es für mich kaum etwas Beglückenderes, als mit einer Frage oder einer herausfordernden Aufgabe voranzukommen. Dieses Vorher-Nachher-Ding des persönlichen Erfahrungs- und Lösungswissens fasziniert mich nachhaltig und unablässig. Denn wenn die Tastatur des Leben schon für die unangenehmen Umstände keine Delete-Taste hat, kann ich immer noch entscheiden, was ich mit den anderen schreibe … Das ist eine wunderschöne und oft auch wundersame Aufgabe, die einem das Leben gibt. Das ausloten zu können, was sich draus machen lässt.

Daher war das dreitägige Online-Festival von Greator zum Ende des Monats ein echtes Highlight. Diese Plattform für Persönlichkeitsentwicklung hat mit globalen Inspiratoren wie Byron Katie (Erfinderin der Coaching-Methode The Work), Boris Grundl (Führungsexperte und Menschenentwickler) oder auch Martin Seligmann (Learned Optimism) aufgewartet und mit ihren Ideen und Gedanken ganz viel Hoffnung und Hilfe versprüht. Solche Lernprozesse sind Lachen und Lust! Mein geistiger Appetit feierte ein Festmahl.

Und jetzt sitze ich hier – nach einem emotionalen Monstermonat – nicht nur mit neuen Buchtiteln auf meiner Leseliste, sondern mit Freudefunken im Herz. Weil ich merke, wie sich die Dankbarkeit breitmacht. Dankbarkeit, dass sich immer beides finden lassen kann, wenn man genauer aufs eigene (Er)Leben sieht: Tragik und Poesie.

 

Was im Juni wartet

  • Ganz klar: Ich blogge weiter! Vielleicht auch schon zum Programm rund um meine eigene Coaching-Methode, an der ich schon länger feile …
  • Neu in meinem Leben: eine Handystick-Stativ-Kombi mit Selbstauslöser. Uiuiui. Soll ich ein paar Fotos teilen, wenn ich nicht an der Technik scheitere?
  • Und dann am Ende: Ab in die große Sommerferienfrische! Pony, Obstbäume und Badesteg warten. Ich Glückspilz hab Freunde, deren Hof man hüten darf.

* * *

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